Ich? Fangirl? War ich nie und werd ich auch nie sein

Fangirl inspirisiert.

Ich? Fangirl? War ich nie und werd ich auch nie sein

Ich bin viel zu zurückhaltend, um jemals ein Fangirl gewesen zu sein. Und heute zu alt. Uhhh – viiieeel zu alt. Selfies mit Promis? Mach ich nicht, das entspricht nun wirklich nicht meinem Lebensstil.

Ich bin ganz bestimmt keine von denen, die nach Konzerten noch auf eine Autogrammstunde hofft oder einem Künstler bei öffentlichen Auftritten dezent am Rockzipfel hängt, um ein Selfie zu ergattern. Was für ein Blödsinn, das würde ich nie tun.

Okay, vielleicht doch so ein kleines winziges bisschen.

 

HIM-Obsession

Zu meiner Verteidigung kann ich immerhin sagen, dass ich erst relativ spät damit angefangen habe, irgendwelche Stars gut zu finden. Die Bravo las ich nie und mit Boybands konnte ich überhaupt nichts anfangen. Dann schon eher mit den Spice Girls. Von wegen Girlpower und so.

Meine erste richtige Star-Obsession begann mit HIM. So ungefähr im Jahr 2000. (Kennt die eigentlich noch jemand?) Auslöser war deren Song Join Me, der es irgendwie in die Charts geschafft hatte und somit meine Aufmerksamkeit einholte, beziehungsweise die meiner Cousine und damaligen Gothic-BFF, die dann wiederum mich damit anfixte.

Selbstverständlich hatte ich Poster, kannte jedes Lied in-und-auswendig und besuchte Konzerte. Mein persönliches Highlight war dann eine Autogrammstunde auf dem M’era Luna Festival, wo ich knapp vier Stunden anstand, um dann etwa eine Minute mit bis zum Hals pochendem Herzen vor den Objekten meiner Begierde zu stehen. Sie haben mich nicht mal angeschaut, aber das war mir egal. Da saß schließlich Ville Valo live und in Farbe direkt vor mir.

 

Fangirl for Life – warum eigentlich?

Woran liegt das eigentlich, dass man sich so für Stars, Musiker, Promis interessiert? Warum interessiert es einen, was Menschen tun, denen man noch nie in seinem Leben zuvor persönlich begegnet ist?

Dass ich damit nicht alleine stehe, sieht man ja an den zahlreichen Klatschzeitschriften und Gossip-Portalen, die es so auf der Welt gibt. Ich meine, selbst in den Nachrichten und seriösen großformatigen Zeitschriften gibt es immer eine Promi-Sparte mit den wichtigsten Informationen zu George Clooney oder Sophia Thomalla.

 

Vorbildfunktion

Darüber habe ich an anderer Stelle schon einmal geschrieben. Ich denke, dass es vielleicht wichtig für uns ist, jemandem zu haben, an dem wir uns orientieren können, um überhaupt eine Möglichkeit zur Orientierung zu besitzen. Denn woher sollen wir wissen, wo wir hinwollen, wenn wir nicht Vergleichsbares schon einmal gesehen haben?

 

Realitätsflucht

Ist auf Dauer definitiv negativ belegt. Denn wer mit seinem eigenen Leben nicht zufrieden ist, flüchtet sich in das eines anderen. Er saugt sämtliche Informationen zu dieser Person auf wie einen Schwamm und verliert sich zunehmend darin. Das ist ein bisschen so, als würde man einen ganzen Tag netflixen (schuldig**hust**).

 

Spaß

Und zwar in Kombi mit unserer sozialen Ader. Wir Menschen sind Rudeltiere, denn wir können nicht allein überleben. Auch der letzte eigenbrödlerische Eigenbrödler braucht hin und wieder den Kontakt zu Menschen, damit er nicht komplett eingeht. Und diese Ader auszuleben an Persönlichkeiten, die gleich Tausende andere Menschen auch interessant finden, führt zu einem positiven Nervenkitzel.

 

 

Seit ich vor etwa fünf Jahren begann mit Frau Bepunkt regelmäßig Festivals und Konzerte zu stürmen, ist diese Obsession wieder da, wenn auch in etwas abgespeckter Art und Weise. Ich muss nicht mehr zwei Stunden vorher bei einem Konzert auftauchen, um dann ganz vorne in der ersten Reihe zu stehen. Tatsächlich scheinen wir nichtsdestotrotz ein unerklärliches Talent dafür zu haben, immer genau dort zu stehen, wo die Musiker denn auch hinkommen.

 

Meine Top 5 Fangirl Momente

  1. Bei meinem ersten Mera Luna Festival in Hildesheim 2003 liefen meine Gothic-BFF und ich fröhlich oder nein, natürlich schwarz-melancholisch über das Gelände und dann direkt einer unserer Lieblingsbands, Zeraphine, in die Arme.
  2. Bei Rock am Ring gab es 2014 einen Food-Stand von Steffen Henssler mit ziemlich geilem Sushi. Der Chef war selbst eher nicht anwesend, aber dann eines Abends entdeckten wir ihn. Wir waren zwar völlig betrunken, aber egal.
  3. Kurz bevor ich 2015 nach Berlin aufbrach, stolperte Frau Bepunkt über einen Zeitungsartikel: Clueso bekommt in Hahnenklee den Paul-Lincke-Ring verliehen. Zufälligerweise ist das idyllische Örtchen nicht weit weg von unserer Heimatstadt. Und das Beste: Es waren gar nicht so viel Leute da und wir konnten ihm die ganze Zeit dezent am Rockzipfel hängen. Der Arme!
  4. Nach einem ziemlich genialen Konzert von Fettes Brot 2015, beschlossen wir, einfach noch etwas länger in der Halle abzuhängen. Und naja – da war sie dann, die Autogrammstunde. Ohne würde ich nicht wissen, dass auch Doc Renz siffige Handyhüllen besitzt.
  5. 2016 sollte anlässlich der Trailerparkbar-Eröffnung in Berlin ein Trailerpark-Konzert mit angebundener Autogrammstunde stattfinden. Meine BFF und ich waren leider nicht schnell genug für die Autogramme, kamen aber dafür recht fix in die Bar. Und nun – hier gab es eine weitere Autogrammsession. Ziemlich privat mit zwanglosen Gesprächen.

 

Fettes Brot inspirisiert.

Mit Fettes Brot & Fraubepunkt (Tour 2015)

 

Und jetzt kommst du – selbst Fangirl(boy) deluxe oder findest du es albern, Musikern und Promis einen gewissen Kultstatus zuzuschreiben? Was war dein persönlicher, bester Fanmoment? Ich will alles wissen und bin gespannt! Ab in die Kommentare damit!

 

 

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    Toc6
    Februar 28th, 2017 at 10:16 am

    Ich hab gar nichts gegen einen Kultstatus zum Beispiel von Musikern. da ich selbst Musiker bin, sehe ich es aber als persönliche Errungenschaft, es damit nicht zu übertreiben. Sonst vergleiche ich mich mit diesen Helden und ich werde sie wohl nie erreichen. Seit ich damit lockerer umgehe, kann ich Konzerte großer Künstler erst richtig genießen. Ich würde jetzt aber nicht auf die Idee kommen, mich mit denen fotografieren zu lassen oder sie irgendwie anzuquatschen, dafür bin ich dann doch zu scheu.

    Aber es gibt dann auch die kleineren großen Helden und manchmal ergibt es sich, dass die dann (quasi umgekehrt) in meinem Publikum sind und dann ist Adrenalin pur angesagt. Und so war auf eine seltsame Weise wohl mein bisher größter Fanboy-Moment, als mir ein lokaler Musikheld, den hier im Schwabenland jeder kennt, sagte, die Cover-Version seiner Nummer würden wir in unserer Band besser spielen als er mit seiner damals. Da krieg ich ja heut noch Herzklopfen beim Drandenken!

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