Was mache ich mit Wut? Eine Blogparade zum Thema

Wut inspirisiert. Herbstlaub

Was mache ich mit Wut? Eine Blogparade zum Thema

Ich wurde von der wundervollen Lia Rienzi zu ihrer Blogparade mit dem Thema Wut eingeladen. Mein erster Impuls bestand aus einem „Kann ich nichts zu sagen“, aber mein zweiter Impuls sagte mir, dass ich vielleicht doch etwas dazu sagen könnte.

 

Wut – das Extrem aller Emotionen

Wut ist eine überaus extreme emotionale Ausprägung. Darüber bin ich vor noch nicht allzu langer Zeit in diesem Buch von Peggy McColl über Emotionen gestolpert.
Kein Gefühl, mit dem ich mich bisher sonderlich ausführlich beschäftigt hätte. Das fußt schlicht und ergreifend aus dem Grund, dass mich diese Emotion nicht wirklich betrifft. Ich kann mich kaum daran erinnern, jemals so richtig wütend gewesen zu sein…

Okay, eine Situation, die wohl am ehesten dem Gefühl von Wut entsprach, war im Jahr 2014, als ich noch an der Uni als Doktorandin gearbeitet habe. Damals sollte ich einen meiner seltenen Vorträge zum Fortschritt meiner Dissertation geben. Ich war natürlich höllisch aufgeregt, aber dennoch ganz gut vorbereitet. Und auch irgendwie ein bisschen stolz auf die kuriosen syntaktischen Theorien, die ich da erstellt hatte.

Nunja – es kam wie es kommen musste: Es hagelte Kritik. Prinzipiell gutgemeinte Kritik, doch gab es da eine Person im Publikum, die mich nicht so richtig ernst zu nehmen schien und bei der ich sogar das eine oder andere Lachen vernehmen konnte. Das hat wehgetan. Es hat mich verletzt und es hat mich wütend gemacht, weil jemand sich über all die Arbeit, die ich in mein Projekt gesteckt hatte, lustig machte. (Ob die Person tatsächlich über mich lachte, sei mal dahingestellt. Meistens projiziert man ja doch nur seine inneren Zweifel auf andere. Das soll aber ein anderes Thema sein.)

 

Wtf ist Wut?

Sicher bist du auch schon mal diesen Menschen begegnet, die einerseits nur so vor Selbstbewusstsein strotzen und andererseits mit all ihren Gefühlen offen hausieren gehen. Und diese können sich in Sekundenschnelle ändern. Mal sind diese Leute himmelhoch jauchzend, mal zu Tode betrübt und mal gehen sie vor lauter Wut bis direkt an die Decke.

Extrovertierte Menschen, die ihre Emotionen schnell nach außen tragen, besitzen nicht selten das Potenzial dazu, so richtig wütend zu werden. Bei introvertierten Personen geht das natürlich auch, nur ist die Wut meist subtiler. Sie behalten sie eher für sich.

Und dann gibt es diese Menschen, zu denen ich scheinbar gehöre, die nicht richtig wütend werden können. Es war eigentlich schon seit jeher so, dass ich sämtliche Fehler, die um mich herum in meinem Leben passieren, mir selbst zuschrieb. Egal, was passierte – ich suchte immer zuerst die Schuld bei mir. So auch bei diesem Menschen, der sich während meiner Präsentation über mich lustig machte. „Er wird schon Recht haben, das zu tun, ich hab‘ halt Blödsinn verfasst.“ Solche Gedanken begleiten mich ziemlich schnell nach jeder (äußerst seltenen) Wuttirade und lassen diese dann dementsprechend gleich wieder abebben.

Ganz objektiv betrachtet, ist das natürlich Blödsinn. Selbst wenn ich den allerdämlichsten Bullshit verfasst hätte, wäre es immer noch die andere Person gewesen, die lacht. Wieso sollte ich mir also die Schuld dafür geben? Darüberhinaus kann so eine ständige Schuldprojektion auf sich selbst extrem belastend sein. Das Selbstwertgefühl sinkt und sinkt und sinkt…

Mittlerweile bin ich über diesen Punkt der Schuldzuweisungen an mich selbst ganz gut hinaus. Aber ich gebe auch anderen nicht die Schuld – der Schlüssel dafür heißt Akzeptanz. Wenn ich die Dinge einfach so akzeptiere, wie sie sind, verschwindet auch der Grund dafür, wütend zu sein.

 

Akzeptanz als Schlüssel

Wut kann krankmachen, wenn man sie ungehindert rauslässt, sie schalten und walten lässt und ihr Glauben schenkt.

Das bedeutet nicht, dass ich dir jetzt den Ratschlag gebe, deine Wut zu unterdrücken. Unterdrückte Wut kann genauso gefährlich sein, wenn nicht sogar noch gefährlicher, da sie irgendwann mit geballter Kraft durchbrechen könnte und dann die doppelt-und-dreifache Wirkung hat.

Nein, sie einsperren ist der falsche Weg. Genauso ist es übrigens mit allen anderen Emotionen, die dir „unlieb“ sind.

  1. Akzeptiere deine Wut

    Sie ist nicht umsonst da. Sie will dir etwas zeigen, dich auf bestimmte Missstände in deiner Situation hinweisen. Akzeptiere, dass du jetzt in diesem Moment wütend bist. Du darfst das. Du bist ein Mensch.

  2. Sei dir bewusst

    Und zwar darüber, dass du nicht deine Emotion bist. Du HAST eine Emotion. Aber du bist das nicht. Gib deiner Emotion das Recht auf Existenz, aber identifiziere dich nicht mit ihr. Stell dir Wut wie einen Schleier vor, der um dich herum schwebt, dein Innerstes aber nicht berühren kann.

  3. Lass sie raus

    wenn sie rauswill. Schrei, weine und tue, was auch immer du tun musst, um der Wut einen Raum zu geben (ausgenommen natürlich die üblichen moralisch verwerflichen Sachen). Lass aber dein Bewusstsein dabei an. Die Wut ist nur da, weil dein Verstand eine bestimmte Situation auf eine bestimmte Weise interpretiert. Jede Situation für sich genommen ist aber neutral.

Somit schaffst du dir einen Kanal für deine Wut. Du lenkst sie bewusst. Du gibst ihr das Recht zu existieren, du lässt sie hinaus und grenzt dich gleichzeitig von ihr ab. Sei dir aber auch bewusst, dass Akzeptanz nicht einfach ist, sondern ein bisschen trainiert werden will. Vor allem, wenn du sonst dazu tendierst, dich deinen Emotionen voll und ganz hinzunehmen. Aber wie so oft gilt auch hier: Verstehen ist der erste Schritt.

 

Wut inspirisiert. Schnee

 

Was sind deine Erfahrungen mit der Wut? Bist du ein Mensch, der sehr schnell an die Decke geht oder ist Wut eher ein Fremdwort für dich? Schreib mir gerne was dazu in die Kommentare!

 

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    Toc6
    Februar 4th, 2017 at 12:36 pm

    Wut tut gut. Finde ich. Also… es tut nicht gut, andere wütend zur Sau zu machen, es tut nicht gut, sich selbst wütend zur Sau zu machen, aber Wut zu spüren und im Extremfall auch mal auszuleben. Man kann ein Kissen verprügeln oder wenn man entsprechend wohnt endlich mal wieder Holz hacken. Und dann, wenn wieder Ruhe eingekehrt ist, sich ehrlich fragen: Was war eigentlich gerade mit mir los?

    Mein persönlicher Eindruck: Wut wird auch eher Männern zugeschrieben und zugestanden. Mädchen wird Wut oft „aberzogen“. Jungs hingegen wird eher Schmerz und Trauer „ausgeredet“. Beides ist ungünstig. Alle Emotionen sind wichtig.

    Denn oft ist Wut auch eine Äußerung von Trauer, Enttäuschung und Schmerz.

    Man kann das bei kleinen Kindern leicht sehen. Beispiel: Der Bruder stößt sich selbst den Kopf und haut vor Wut der Schwester eine rein. (Oder umgekehrt.)

    Ich finde, in Maßen darf man durchaus wütend sein mit Menschen, die einen verletzt haben. Man darf im Extremfall auch mal jemanden anbrüllen, wenn er oder sie wirklich der Grund ist. Aber auch dabei gibt es einen Unterschied: Ob man seine Wut ausdrückt (z.B. „Boar du regst mich gerade echt auf wenn du $sowas mit mir machst!“) oder ob man Krieg anfängt und den anderen aus Rache verletzen will.

    Reply
  • Ganzheit durch Integration deiner Gefühle - Wut | Lia Rienzi
    Februar 6th, 2017 at 3:08 am

    […] Anja Müller – Inspiriert […]

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